Hallo,
noch ein paar Erwähnungen und Gedanken zum Thema Boutique Transen und Entwicklungen seit den 70ern.
Bei guitarrmaniacs gibts Info ueber eine Kommunikation mit Günther Phillip von PCL Vintage Amp, in welcher er erwähnt, dass PCL wohl in den 80ern Pioniere mit MOS-FET Technologie in Gitarrenverstärkern mit der Lead L1 und Groove Series waren. Diese Amps waren nicht billig (und zumindest der Groove ist nicht leicht).
In dieser Ära hatte aber z.B. auch Dynacord den GS824, der gute Reviews bekam. Leider Klang der - wie Röhrenamps- erst bei höheren Lautstärken richtig gut und war (ist) Sackschwer - wie Röhrenamps. Diese Verstärker waren für den Gigbetrieb designed aber trafen vom Aussehen sicher nicht den Geschmack der Allgemeinheit. Der später gebaute Turbo war wohl leichter und auch gut, aber auch keine Schönheit.
Solton/Craaft hatten den Chorus 50 und Chorus 120 am Start , die gut klangen und eigentlich hübsch anzusehen waren. Aber auch nicht gerade billig.
Die Holländische Firma Novanex stellte interessante Transistorverstärker her - die waren auch keine Sonderangebote
H/H waren damals auch mit MOS-FET Amps vertreten, ich weiss aber nicht, ob die gut waren.
Insgesamt kann man wohl sagen, das es einige Firmen versucht haben, hochwertige Transistorverstärker herzustellen. Trotzdem gibt's eigentlich nur einen einzigen Klassiker, den eigentlich jeder kennt: den Roland Jazz Chorus - der meiner Ansicht gar nicht sooo toll ist. Der JC clean ist aber tatsächlich zu einem Standard geworden. Distortion in dem Amp ist aber grauselig und nur als Spezialeffekt zu benutzen.
Warum haben sich die anderen (auch der schon von anderen erwähnte "British Boogie" Sesssion/Sessionette) nicht durchgesetzt?
Das hat wohl teilweise mit dem Röhrenmythos zu tun - es ist ja so, dass in Gitarristenköpfen (von den Medien gepusht) schon die Anwesenheit von Halbleitern im primären Signalweg anathema ist (obwohl die meisten gerne Halbleitergeräte vor die Röhrenamps schalten).
Selbst Hybridgeräte wie die Legend Amps (die zugegebenerweise Recht eigen klingen) oder die 70er/80er Jahre Musicmänner konnten sich nicht so recht etablieren´ (letztere haben aber inzwischen so etwas wie Kultstatus in gewissen Kreisen) - die Anwesenheit von Transistoren IN (aber nicht VOR) den Verstärkern wird halt aus glaubensgründen als unrein angesehen

. Insofern ein bischen Ähnlichkeit mit Religion
Einen echten Qualitäts-Transistortamp zu entwickeln und bauen ist auch weder trivial noch billig. Dann war kein so rechter Preisvorteil da, die Amps waren nicht viel leichter und vielleicht auch nicht immer glücklich designed (im Aussehen). Auf jeden Fall gibt es anscheinend keinen Markt (mit Ausnahme viellecht von Nischen wie zB PCL sie besetzt - die sind inzwischen auch recht leicht).
Selbst Firmen wie Award-Session haben wohl erkannt, dass man zwar für ein Halbleiter "Boutique" Pedal einige hundert Euros verlangen kann, aber keine paar Tausend für einen kompletten Transenamp.
So, das Ende des Wortes zum Montag.
Eine beliebte Transe der Jetztzeit ist mir übrigens grade noch eingefallen.
Der ZT Lunchbox Amp. Ist aber halt nur ein Einkanaler, und auch eigenlich nicht boutique.
Die einzige populäre Transistorverstärkerlinie, die man zur Zeit vielleicht als Boutique betrachten könnte (auch preislich), ist vielleicht die Tech21 Trademark Serie. Die liebt aber auch nicht jeder (Clean toll, komme aber mit dem overdrive Kanal nicht so zurecht).
Kompliment übrigens an Erniecaster zum schön gepimpten Bandit!
Gruss
Alex